Berliner Woche 37/2005

 

Dirk Jericho

Denkmalschützer erlauben Synagogenumbau
Jüdische Talmudschule zieht ein / Anwohner protestieren gegen Teilabriß

Mitte. Der historische Originalzustand der letzten Berliner Hinterhofsynagoge in der Brunnenstraße 33 bleibt nicht erhalten. Die Denkmalschützer von Bezirk und Senat haben dem Investor grünes Licht für umfangreiche Umbaumaßnahmen geben.

Der Protest blieb unerhört. Selbst die offenen Briefe, die die Betroffenenvertretung Rosenthaler Vorstadt (BRV) an Bürgermeister Joachim Zeller (CDU) und Landeskonservator Jörg Haspel geschickt hat, konnten nichts ändern: In der vergangenen Woche haben die Denkmalbehörden den umfangreichen Umbauwünschen des Investor Roman Skoblo zugestimmt. Der jüdische Arzt, der die seit 1995 unter Denkmalschutz stehenden Hinterhofsynagoge plus Vorderhaus und Seitenflügel in der Brunnenstraße 33 vor drei Jahren von der WBM gekauft hat, darf in die Synagoge eine Zwischendecke einziehen sowie den Anbau und sechs Säulen im Inneren abreißen. "Denkmalschützer zerstören ein Denkmal", ist Sabine Krusen von der BRV entsetzt. Alternativen seien von niemandem gesucht worden.

In die 1910 erbaute und 1938 von den Nazis geschändete Synagoge soll nach den Umbauarbeiten eine jüdische Talmudschule, eine "Yeshivat Beth Zion", ziehen. Etwa 50 Studenten werden hier demnächst jüdische Tradition und Philosophie erlernen. Für Speisesaal, Internat, Büros und Lehrräume wird Platz benötigt. In der Synagoge selbst soll gebetet, gelernt und gemeinsam gegessen werden. "Wir wollen die Synagoge nutzen und wieder mit jüdischem Leben füllen", sagt Rabbiner Joshua Spinner, Chef der Lauder-Foundation und Leiter der neuen "Yeshivat". Veränderungen im Gebäude sind für ihn nicht schlimm.

Sabine Krusen hat seit Jahren die Geschichte der Privatsynagoge erforscht und dokumentiert sowie regelmäßige Führungen organisiert. Auf RBV-Initiative wurden in der Synagoge die Säulen, die umlaufende Frauenempore und andere Details freigelegt. Zu DDR-Zeiten nutzte die Firma Berlin-Kosmetik die Synagoge für Büros und Lager. Auch damals gab es eine Zwischendecke, die Investor Skoblo zur Freude der Anwohnerinitiative rausreißen ließ. "Herr Skoblo hatte uns versprochen, die Synagoge denkmalgerecht wiederherzustellen", sagt Krusen. Deshalb habe sich die RBV damals für ihn als Käufer stark gemacht.

Jetzt wird die Synagoge wieder zweietagig. In den "Hauptschatz", wie Krusen den großen Saal nennt, wird eine Stahlbetondecke eingezogen. Nach "zähen Verhandlungen" hätte man wenigstens erreicht, daß die "Frauenempore in der Substanz erhalten bleibt und von unten sichtbar ist", sagt Mittes Denkmalschutz-Chefin Eva-Maria Eichler. Die Investoren wollten die Empore rausreißen. "Wenn man die Decke später entfernen will, ist die Empore wieder da", so Eichler. Sie hat bei den Besitzern den Wunsch geäußert, daß die Decke "ein paar Quadratmeter" geöffnet bleibt, damit man das "Raumgefühl der einstigen Synagoge noch erleben kann", so Eichler. Der Anbau, für dessen Erhalt die RBV ebenfalls vergebens gekämpft hat, ist laut Eichler "denkmalrechtlich bedeutungslos". Sie habe den Bauherren jedoch gebeten, den neuen Verbindungsgang zu verglasen, damit man vom Hof aus die Synagogenfront sehen kann.
Es gibt keine Auflagen, alle Wünsche der Denkmalbehörde sind lediglich Empfehlungen. "Keiner wollte einen Rückzug der jüdischen Schule riskieren", erklärt Eichler ihre großzügigen Zugeständnisse. Die Bezirksverordneten müssen jetzt noch einer Änderung der Sanierungsziele zustimmen. Eine Baugenehmigung ist bisher noch nicht erteilt. Das rettet den Anbau wahrscheinlich nicht mehr. "Der Abriß ist sofort freigeben", sagt Eichler. DJ

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