Betroffenenvertretung

Rosenthaler Vorstadt

Bürgervertretung im Sanierungsgebiet Rosenthaler Vorstadt

Sporthalle Ruppiner Straße

aktualisiert:  12.06.2006

Wettbewerbsbeitrag, 1.Preis

Anderhalten Architekten, Berlin
Dipl.-Ing. Claus Anderhalten, Architekt BDA
Mitarbeit: Cornelia Locke
Tragwerksplanung: Pichler Ingenieure GmbH, Berlin
Technische Gebäudeausrüstung: Heimann Beratende Ing. VBI, Berlin

http://www.anderhalten.com/

 

Entwurf

Die neue Sporthalle teilt das Grundstück in zwei gut überschaubare Bereiche: den Pausen- und Spielhof und den Sportbereich. Der stirnseitig an die Halle angefügte Umkleidetrakt schließt an das Schulgebäude an, so dass die Schüler trockenen Fußes in die Halle gelangen können. Über das Foyer werden die neue Halle, die Umkleiden und die bestehende Turnhalle verknüpft. Die dem Foyer vorgelagerte Pergola dient als Eingangsbereich und Sitzmöglichkeit und wertet so den Pausenhof auf.

Die Spielfeldebene befindet sich 3,50m unter Geländeoberkante, die Nebenräume und das Foyer auf Geländeniveau. Der Zugang zu den Außensportflächen erfolgt durch die Halle, wobei man an den Umkleiden vorbeigeleitet wird und gleichzeitig hinab auf das Innenspielfeld und durch die Verglasung zum Außenspielfeld blicken kann. Vom Foyer gehen zwei über die gesamte Hallenlängsseite reichende Sitzstufen ab, die Platz für etwa 200 Zuschauer bieten. Unter dieser Tribüne sind die Geräteräume angeordnet. Der zweite Fluchtweg aus jedem Hallenteil wird durch Außentreppen gewährleistet. Im Umkleidetrakt befindet sich auch der Mehrzweckraum, der durch Schiebewände in den Gangbereich vergrößert werden kann.

Die nördlich und südlich an das Außenspielfeld angrenzenden Rasenflächen werden für Kugelstoßen und Gymnastik genutzt. Die Laufbahn und die Weitsprunganlage, die sich exakt in den alten Baumbestand einfügen, reichen in den Pausenhof hinein; für sie ist ein TartanbelagiIn pink und orange vorgesehen.

 
 

images/rupp03_1.jpg

 

Konstruktion und Material

Hauptelemente des Hallendachtragwerkes sind Holzwerkstoffplatten (Kerto) verschiedener Materialstärken von 6 bis 10 cm. Den Druckgurt der unterspannten Konstruktion bildet eine Holzplatte, druckfest gefügt aus kleinteiligen Elementen (2,20 x 5,50 m) mit einer Plattenstärke von 10 cm. Diese horizontale Holzscheibe dient gleichzeitig als Unterkonstruktion der Dachdeckung und als Queraussteifung der Halle, sie führt die Windlasten auf die massiven Giebelwände. Rippen aus Holzwerkstoffplatten (5,50 x 1,30m) verlaufen in regelmäßigen Abständen in Längsrichtung, bilden unterstützende Pfetten für die horizontal verlegten Platten und gleichzeitig die Druckstützen für die Unterspannung.

Stahlverstärkte Durchstoßpunkte mit Sattelkonstruktionen, die der Krümmung der Unterspannkabel folgen, markieren den Verlauf der parabelförmigen Unterspannung. Im Verankerungsbereich der Unterspannung sind Lastverteilungselemente aus Stahl notwendig, um die Spannkraft in die als Druckgurt fungierende Holzscheibe einzuleiten. Die längs verlaufenden Rippen erhalten Aussteifungskonstruktionen in Form von weniger hohen Querrippen. Die Stützen sind Stahlverbundstützen mit einem minimiertem
Querschnitt von 25 cm.

Für die Montage des Daches sind eine Raumrüstung und ein Kran erforderlich. Die Elementgröße wird durch deren Transportierbarkeit bestimmt. Lösbare Verbindungen zwischen den einzelnen Bauteilen führen dazu, dass die gesamte Dachkonstruktion demontierbar ist.

Die Giebelwände - als aussteifende Elemente - werden als Stahlbetonwände errichtet. Auch hier sollte bei der Ausführung die Möglichkeit der Verwendung von Hohlwänden, also Teilfertigteilen, geprüft werden. Wände gegen Erdreich, Brandwände zur Nachbarbebauung und die Tribüne bestehen ebenfalls aus Stahlbeton. Teilfertigteile dienen als Schalung. Gegen Abfangungen werden Lehnwände als WU- Konstruktion gestellt, da somit die aufwändigen Dichtungsarbeiten entfalten können. Die Betonoberfläche bleibt Im abgesenkten Teil der Sporthalle sichtbar.

Die Umkleiden werden auf massiven Fundamenten aus Stahlbeton in Holztafelbauweise errichtet. Auch hier wird also auf elementierte Bauteile Wert gelegt, die einen hohen Grad an Vorfertigung ermöglichen und damit die Bauzeit erheblich verkürzen, außerdem aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen und mit wieder lösbaren Verbindungen gefügt werden, also vollständig wieder verwendbar sind.

Die nichttransparenten Anteile der Fassade sind mit einer horizontalen Lärchenholzschalung verkleidet. Aus diesem Material bestehen auch die Pergola und das unter ihr befindliche Deck, was dem Gebäude einen warmen und einladenden Charakter verleiht. Die Hallenlängsseiten bzw. das sich dort befindende Foyer und der Gang entlang der Umkleideräume wird verglast, um den Außenbezug zu maximieren, so dass man vom Pausenhof in die Halle und durch sie hindurch zum Sportfeld schauen kann. Die Wände Im Umkleidebereich sind in verschiedenen Grüntönen lasiert, die der Halle auch nach außen ihre Farbigkeit geben.

Für das Hallendach ist eine extensive Begrünung vorgesehen. Als Blickpunkt im Blockinneren belebt ein Muster aus verschiedenfarbigen Pflanzen diese Fläche. Die niedrigeren Umkleiden und das Foyer erhalten eine Kiesschüttung.

 
 

images/rupp01-1.jpg

 

Technische Gebäudeausrüstung

Die Bodenuntersuchungen lassen auf gute Versickerungsfähigkeit des Untergrundes schließen, so dass das gesamte Regenwasser auf dem Gelände versickert werden kann. Aufgrund der großen Geländeflächen muss aber, insbesondere bei Starkregenereignissen, eine nicht unerhebliche Niederschlagsmenge in kurzer Zeit zwischengespeichert werden, bevor sie vollständig versickert werden kann. Überflutungsflächen werden deshalb an zwei Stellen auf dem Gelände als Sickermulden eingerichtet: nördlich des Sportfeldes ca. 80 m² und südlich ca. 100m² bis 0,5 m unter Gelände als Hauptauffangmulde.

Das durch die Wurzeln der Bäume gehaltene Wasser verdunstet an heißen Sonnentagen und sorgt durch die Verdunstungskühle für ein angenehmeres Mikroklima. Das Gründach verdunstet etwa 75 % des Jahres-Regenwasserniederschlags. Eine Regenwassernutzungsanlage, bestehend aus unterirdischem Speichertank von ca. 10 m3 mit Pumpe für das Regenwasser ist für die Bewässerung der Grünanlagen vorgesehen.

In der Heizzentrale wird eine Niedertemperatur-Heizkesselanlage nachgerüstet, da der Wärmebedarf von ca. 200 kW die Reserveleistung übersteigen wird. Die Warmwasserbereitung soll durch eine thermische Solaranlage unterstützt werden. Die Kollektoren hierfür werden über dem Umkleidebereich nach Süden gerichtet aufgestellt. Durch die Einbettung von etwa 40% der Außenfassade im Erdreich wird der Transmissionswärmebedarf und der Isolierungsaufwand gegen die kalte Außenluft erheblich gesenkt, im Sommer ist durch die Kopplung an die Speichemasse des Erdbodens und niedrigere Wandoberflächentemperaturen eine wesentlich geringere Aufheizung zu erwarten als bei Hallen, deren Wände komplett an die Außenluft grenzen. Der Transmissionswärmebedarf wird durch Deckenstrahlplatten gedeckt. Die Strahlungsleistung der Platten bewirkt eine leichte Erwärmung des Hallenbodens, die die Behaglichkeit erhöht und bei gleichem thermischen Komfort eine 1 - 2 dC niedrigere Raumtemperatur zulässt Die Halte wird über motorisch betätigte Stellklappen über die Längsseiten be- und entlüftet. Effizientes Lüften wird durch die gegenüberliegende Anordnung der Lüftungsöffnungen erreicht, im Zuschauerbereich über Dachfenster, Mechanische Be- und Entlüftung ist für die Nassbereiche vorgesehen, um Feuchteschäden durch unregelmäßiges Lüften über die Fenster vorzubeugen.

Über Lichtbänder ist die Halle von den Längsseiten mit Tageslicht durchflutet. Sonnen- und Blendschutz wird durch die weit auskragende Pergola bzw. feststehende Lamellen gewährleistet. Bei schlechten äußeren Sichtverhältnissen sorgt die Kunstlicht-Beleuchtung aus ballwurfsicheren Lichtbändern für die Ausleuchtung der Halle.

 
 

images/rupp02.jpg