Betroffenenvertretung

Rosenthaler Vorstadt

Bürgervertretung im Sanierungsgebiet Rosenthaler Vorstadt

Stolpersteine

aktualisiert:  22.02.2009

Stolpersteine in der Rosenthaler Vorstadt

„Stolpersteine“ sind 10x10 cm große Messingplatten, die der Kölner Künstler Gunther Demnig seit 1992 vor den ehemaligen Wohnorten von Opfern der Nazi-Diktatur verlegt – mit Namen und Lebensdaten dieser früheren Nachbarn in unseren Städten und Dörfern.

Erste Stolpersteine in Berlin-Mitte wurden nach Kreuzberger Vorbild ab 2000 unter Federführung der ehrenamtlichen „Gedenktafelkommission“ geplant und recherchiert. Zu den ersten Steinen im Jahr 2001 gehörten in der scheinbar völlig unspektakulären Rheinsberger Straße der Rosenthaler Vorstadt die Stolpersteine für ein Ehepaar, über dessen Lebensweg wir auch bis heute nichts Näheres in Erfahrung bringen konnten. Von den Nazis ermordet wurden sie allein wegen ihrer jüdischen Herkunft:
Herta Hirsch, geb. Cohn (1889 – 1944 Auschwitz)
Adolf Hirsch (1885 – 1944 Auschwitz)

2003 zum „Tag des offenen Denkmals“ und als eine von ca. 50 Veranstaltungen zum Thema „250 Jahre Rosenthaler Vorstadt“ wurden erstmalig Stolpersteine für schwule Opfer der Nazi-Verfolgung verlegt - in der Anklamer, Strelitzer und Swinemünder Strasse. Zur Einweihung berichtete der Berliner Forscher Andreas Pretzel ausführlich über die von ihm recherchierten Lebensgeschichten unserer drei ehemaligen Nachbarn. (Seine umfangreiche Forschung über in Berlin verfolgte und ermordete Schwule soll publiziert werden.)
Heinz Bibergeil (1911 Berlin – 1944 Auschwitz)
Fritz Heilscher (1898 Berlin – 1942 Sachsenhausen)
Hermann Holzheim (1891 Neustettin/Pommern– 1941 Dachau)

2007 wurden im Gebiet der Rosenthaler Vorstadt auf Initiative von Anwohnern folgende Steine verlegt: Vor der Brunnenstrasse 195 für die als Juden verfolgten früheren Bewohner
Edith Winter, geb. Bogen (1900 Berlin – 1943 Auschwitz)
Georg Winter (1890 Guben – 1942 Auschwitz)
Karoline Hecht, geb. Blond (1896 Posen – 1044 Theresienstadt)

Vor der Brunnenstrasse 193 für den wegen „Rassenschande“ von den Nazis ermordeten Afrikaner Mahjub Bin Adam Mohamed Hussein, genannt
Mohamed Husen (1904 Kolonie Deutsch-Ostafrika - 1944 Sachsenhausen).

Die Forschungsergebnisse der Berliner Arbeitsgruppe „Getauft und deportiert- Evangelische Gemeinden recherchieren über Christen jüdischer Herkunft“ führten seit 2007 in Mitte und auch im Gebiet der Rosenthaler Vorstadt zu ersten Stolpersteinen für ermordete getaufte Christen,die wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden. In der Wolliner Strasse 3 wurde durch private Initiative bereits im Sommer 2007 an den früheren Hausbewohner Ephraim (Edwin) Worrmann (1888 Zürich – 1943 Auschwitz) erinnert.Das Geld für den Stolperstein sammelte die Klasse 6c der Linden-Grundschule Berlin-Spandau, Orstteil(West-)Staaken. Deren Klassenlehrer Herr Hauskeller hatte als Initiator die Schüler(innen)und Eltern dafür gewonnen. Auf Worrmanns Schicksal aufmerksam gemacht hatte Pfarrer Rauer von der Dorfkirche Alt-Staaken,bei dem auch der Taufeintrag im Kirchenbuch nachzulesen war. In jener Dorfkirche wurden Ephraim Worrmann und weitere sieben Christen jüdischer Herkunft getauft.

Im Frühjahr 2008 wurden für die ermordeten Mitglieder der in den 1930er Jahren in der Strelitzer Strasse wohnenden Familien Kropidlowsky und Schnürmacher Stolpersteine verlegt .

Seit 2002 sammeln AnwohnerInnen sowie die Initiativen Brunnhilde e.V., „Betroffenenvertretung“ des Sanierungsgebiets, die Vereine Stadtzentrum und Chagall e.V. u.a. Geld für die Verlegung weiterer Stolpersteine, oft bei Stadtrundgängen und Führungen zum "Tag des offenen Denkmals" oder Veranstaltungen zur Geschichte des Gebietes.
So wollen wir an weitere ehemalige BewohnerInnen unseres Stadtteils erinnern, von denen zwei das Opfer einer beispiellosen Mordaktion im KZ Natzweiler wurden (s. die 2004 bei Hoffmann und Campe publizierte Forschung des Tübinger Historikers Dr. Joachim Lang „Die Namen der Nummern. Wie es gelang, die 86 Opfer eines NS-Verbrechens zu identifizieren“ ):
Max Taffel (1900 - 1943 KZ Natzweiler)
Klara Taffel, geb Schenkel (1899 – 1943 Auschwitz)
Esther Taffel (1928 – 1943 Auschwitz)
Breindla Schenkel (1872 – 1943 Theresienstadt)
David Schenkel (1869 – 1943 Theresienstadt)
Sophie Boroschek (1919 – 1943 KZ .Natzweiler)
Abraham Boroschek (1882 – 1943 Auschwitz)
Lieschen Boroschek, geb. Hopp (1886 – 1943 Auschwitz)
Rosa Boroschek, geb. Hirsch (1895 – 1941 Lodz)
Karl Boroschek ( Jg. 1899)


Für weitere Informationen über die genannten und andere verfolgte Nachbarn in der Rosenthaler Vorstadt sind wir jederzeit dankbar:
Brunnhilde e.V., Tel. + AB 030/ 449 32 27
brunnhildeev@t-online.de
oder www.rosenthaler-vorstadt.de

Der gemeinnützige Frauenverein „Brunnhilde e. V.“ – seit 1990 tätig in der Rosenthaler Vorstadt, darunter im Sanierungsgeschehen, im Denkmalschutz und in der Kiez- und Frauengeschichte - ließ auf der Basis seiner jahrelangen Recherchen und Publikationen zu Berliner Frauenbiographien und mit finanzieller Hilfe vieler BesucherInnen seit 2001 in Berlin-Mitte, Ortsteile Mitte und Tiergarten, außerdem Stolpersteine für folgende bedeutende Berlinerinnen verlegen:
Clara Grunwald (1877 Rheydt – 1943 Auschwitz) – Montessori-Lehrerin
Erna Hermann (1898 Berlin - 1944 Auschwitz) – letzte Leiterin des Minna-Schwarz-Heims, Brunnenstrasse 41
Hannah Karminski – leitend im Jüdischen Frauenbund u.a. deutschlandweiten Organisationen bis zu ihrer Ermordung
Martha Wygodzinski (1869 Berlin - 1943 Theresienstadt) – frühe Ärztin in Berlin, aus sozial sehr engagierter Berliner Familie

Anlässlich der Verlegung eines Stolpersteines für die vom Julie Wolfthorn Freundeskreis beforschte Malerin – Mitbegründerin der Berliner Secession – ließen wir auch Stolpersteine in der Kurfürstenstrasse für ihre letzten Mitbewohner legen: ihre als Schriftstellerin und Übersetzerin tätige Schwester
Luise Wolff (1860 - 1942 Theresienstadt) sowie
Erich Hirschweh (1894 - Auschwitz), Schwiegersohn des Künstlers Edmund Edel., Vater des DDR-Schriftstellers Peter Edel.


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